67,9 Prozent in Kreuzberger Wahlbezirk: Wo die Linke Berlin dominiert - T-Online

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Elif Eralp: Die Spitzenkandidatin der Linken holte das beste Erststimmenergebnis aller Kandidaten in Berlin. (Quelle: IMAGO/Stefan Zeitz/imago)VorlesenAktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:001xArtikel teilenDie Linke hat die Berlin-Wahl klar gewonnen. Ihre Stärke liegt aber nicht mehr ...

Elif Eralp: Die Spitzenkandidatin der Linken holte das beste Erststimmenergebnis aller Kandidaten in Berlin. (Quelle: IMAGO/Stefan Zeitz/imago)VorlesenAktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:001xArtikel teilenDie Linke hat die Berlin-Wahl klar gewonnen. Ihre Stärke liegt aber nicht mehr dort, wo die Partei früher zu Hause war.

Fast eine halbe Million Menschen haben bei der Abgeordnetenhauswahl am Sonntag die Linke gewählt. Laut vorläufigem Endergebnis kam die Partei auf 468.060 Zweitstimmen und 25,7 Prozent – rund zweieinhalbmal so viele Stimmen wie bei der Wiederholungswahl 2023. Spitzenkandidatin Elif Eralp könnte damit die erste Regierende Bürgermeisterin der Linken werden.

Die Wahlergebnisse zeigen, dass sich die Partei gewandelt hat. Die frühere Ostpartei gewinnt heute vor allem in der Innenstadt und bei jungen Menschen. Das zeigt eine Auswertung der Daten der Landeswahlleitung durch t-online.

Am deutlichsten wird der Wandel in Friedrichshain-Kreuzberg. Der Bezirk galt jahrzehntelang als Hochburg der Grünen. Nun kommt die Linke dort auf 44,2 Prozent, 2023 waren es noch 21,1 Prozent. Die Partei gewinnt alle fünf Direktmandate des Bezirks, darunter Wahlkreise, die seit rund 20 Jahren in grüner Hand waren.

Eralp selbst holte in ihrem Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg 1 50,4 Prozent der Erststimmen – das beste Ergebnis aller Kandidaten in den 78 Wahlkreisen. Die unterlegene Grünen-Kandidatin Kübra Beydaş kam auf 17,2 Prozent.

Den höchsten Stimmenanteil in ganz Berlin erreichte die Linke im Kreuzberger Wahlbezirk 02301 am Kottbusser Tor. Dort stimmten 67,9 Prozent der Wählerinnen und Wähler für die Partei. Zweitstärkste Kraft wurde das BSW mit 11,5 Prozent der Stimmen, die CDU kam auf 3,3 Prozent, die AfD nur auf 1,7 Prozent.

Auch jenseits von Kreuzberg liegen die Hochburgen der Linken im früheren Westberlin. Ihr stärkstes Ergebnis in einem Wahlkreis holte sie in Neukölln 2 mit 53,1 Prozent. Die größten Zuwächse gab es im Norden Neuköllns und im Wedding: In Mitte 6 stieg der Anteil von 21,5 auf 50,5 Prozent.

Selbst in Bezirken, in denen die Linke bislang kaum eine Rolle spielte, legte sie deutlich zu. In Spandau und Reinickendorf hat sie ihr Ergebnis mehr als verdreifacht. Erstmals gewann die Partei Direktmandate in Spandau und Charlottenburg-Wilmersdorf: Thomas Wulfes setzte sich in Spandau 3 durch, Niklas Schenker in Charlottenburg-Wilmersdorf 1. Auch Reinickendorf 1 ging an die Linke, dort stieg ihr Anteil von 8,2 auf 28,3 Prozent.

Insgesamt gewann die Linke 28 der 78 Direktmandate, die CDU 27. Bei den Zweitstimmen wurde sie in 37 Wahlkreisen stärkste Kraft.

Im Osten der Stadt liegt die Linke mit 27,8 Prozent zwar weiterhin vor dem Westen mit 24,1 Prozent. Der Abstand hat sich aber mehr als halbiert: 2023 lag er noch bei knapp acht Prozentpunkten. In den Wahllokalen ist er fast verschwunden – dort kam die Linke im Osten auf 27,2 und im Westen auf 26,1 Prozent. Der Unterschied entsteht vor allem durch die Briefwähler.

Besonders wenig bewegte sich in Marzahn-Hellersdorf, wo die Vorgängerpartei PDS einst dominierte. Die Linke legte dort nur um 5,8 Punkte auf 20,2 Prozent zu – der geringste Zuwachs aller Bezirke. Stärkste Kraft ist dort die AfD mit 34,5 Prozent. Auch in Lichtenberg und Treptow-Köpenick wuchs die Linke weniger stark als im Berliner Durchschnitt.

Der Wandel zeigt sich auch beim Alter der Wähler. Laut der Nachwahlbefragung von Infratest dimap für die ARD stimmten 43 Prozent der unter 25-Jährigen für die Linke, bei den 25- bis 34-Jährigen waren es 49 Prozent. Bei den jungen Frauen unter 25 kam die Partei auf 51 Prozent, bei den jungen Männern auf 34 Prozent.

Auch bei den Erstwählern liegt die Linke mit 39 Prozent klar vorn, die Grünen folgen mit 14 Prozent. Die CDU erreichte bei den unter 25-Jährigen acht Prozent, bei den über 60-Jährigen dagegen 29 Prozent.

Im Wahlkreis Pankow 8 trat Gloria Viagra für die Linke an. Die Dragqueen holte 26,7 Prozent der Erststimmen. Bei der Wahl 2023 hatte die Linke dort 18,2 Prozent erreicht. Das Direktmandat gewann dennoch die Grünen-Politikerin Daniela Billig mit 34,3 Prozent.

Gloria Viagra: Eine der berühmtesten Dragqueens Berlins unterlag in Pankow. (Quelle: Christophe Gateau/dpa)Für die Spitzenkandidaten der anderen Parteien verlief der Abend weniger erfolgreich. CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers verlor seinen Wahlkreis in Treptow-Köpenick an die AfD, SPD-Landeschef Steffen Krach landete in Steglitz-Zehlendorf auf Platz drei. Die frühere Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) verlor ihren Wahlkreis in Rudow und scheidet aus dem Abgeordnetenhaus aus. Auch CDU-Fraktionschef Dirk Stettner verlor seinen Wahlkreis Pankow 4, der Linken-Kandidat Devran Başbolat landete dort vor ihm.

Die Linke hat damit eine neue Wählerbasis gewonnen: jung, weiblich und in der inneren Stadt zu Hause. Am östlichen Stadtrand, wo die AfD stärker ist, konnte sie dagegen kaum zulegen.

Eralp zeigte sich am Wahlabend entschlossen. "Lasst uns rausgehen und lasst uns Berlin verändern", sagte sie auf der Wahlparty ihrer Partei. Möglich wäre das in einem Bündnis mit Grünen und SPD, das rechnerisch eine Mehrheit hätte.

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