Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen zu Strom-Sabotage
Strom-Sabotage Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen Stand: 10.09.2026 • 19:43 Uhr
Nach den Attacken auf Umspannwerke in mehreren Bundesländern hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Dem Tatverdächtigen wird verfassungsfeindliche Sabotage vorgeworfen.
Nach einer Reihe von Sabotage-Angriffen auf das deutsche Stromnetz hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen gegen den Verdächtigen übernommen. Wegen der besonderen Bedeutung habe die Karlsruher Behörde den Fall übernommen, sagte eine Sprecherin. Unter anderem gehe es um den Verdacht verfassungsfeindlicher Sabotage. Zuerst hatte der Spiegel berichtet.
"Die dem Beschuldigten zur Last gelegten Taten erfolgten länderübergreifend und zielten mutmaßlich auf die Verursachung großflächiger Stromausfälle", teilte die Bundesanwaltschaft mit. "Dies war geeignet, in der Bevölkerung das Zutrauen in den Schutz der kritischen Infrastruktur zu schwächen und damit schädlichen Einfluss auf die innere Sicherheit der Bundesrepublik zu nehmen."
Der 48-Jährige soll an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen versucht haben, Stromleitungen in der Nähe von Kohlekraftwerken zu sabotieren. In einigen Fällen ist ihm das gelungen. Am Dienstag fiel er Polizisten bei einem Großeinsatz in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler bei Aachen auf - und wurde festgenommen.
Im Wohnmobil des Mannes wurde ein Notizbuch mit handschriftlichen Vermerken zu mehr als 160 bisherigen und möglichen weiteren Sabotagezielen entdeckt. Das berichtete NRW-Innenminister Herbert Reul dem Landtags-Innenausschuss. "Wir haben nicht nur den mutmaßlichen Täter der Anschläge gefasst, sondern damit womöglich immer weitere Anschläge verhindert", erklärte der CDU-Politiker.
Die Polizei hat in der Nähe eines Kraftwerks bei Aachen den mutmaßlichen Strom-Saboteur gefasst. mehr
Dem Haftrichter habe der Verdächtige zudem sieben weitere Orte genannt, die er als Lager genutzt habe, sagte Reul. An drei dieser Orte sei die Polizei bereits fündig geworden. Sie überprüfe diese Hinweise. Der Verdächtige führe die Beamten in einem Streifenwagen zu den verschiedenen Orten. Allein in Nordrhein-Westfalen seien bislang mehr als 40 Abschussvorrichtungen für Raketen festgestellt worden. "Das wirkte alles ziemlich professionell gebaut."
Den Ermittlungen zufolge soll der Mann Abschussvorrichtungen aufgebaut und mit selbstgebauten Raketen einen Draht über Hochspannungsleitungen geschossen haben. Mindestens zweimal kam es dadurch zu Kurzschlüssen, und einzelne Blöcke von nahegelegenen Kraftwerken wurden lahmgelegt. Die Bevölkerung war nicht betroffen.
Das Amtsgericht Aachen hat einen Haftbefehl erlassen, der Mann ist in Untersuchungshaft. Weil nun auf Ermittler-Seite die Zuständigkeit auf Bundesebene zum Generalbundesanwalt gewechselt ist, muss der 48-Jährige nochmal am Bundesgerichtshof vor den Ermittlungsrichter. Einen Termin gibt es dafür noch nicht.
Dieses Thema im Programm: BR24 Radio | Nachrichten | 10.09.2026 | 16:32 UhrNDR Info | Nachrichten | 10.09.2026 | 17:00 UhrDas Erste | tagesschau | 10.09.2026 | 20:00 Uhr

