China 50 Jahre nach Maos Tod: Immer noch untersteht alles der Partei

Direct Source Verification: This story is aggregated from Tagesschau (tagesschau.de). Full reporting rights and copyright belong to the primary publisher.
50 Jahre nach dem Tod von Chinas Staatsgründer Mao Zedong ist die Volksrepublik ein kapitalistisches Land - seine Metropolen geprägt von Malls und Wolkenkratzern. Und doch kontrolliert die Kommunistische Partei weiterhin alles. Von Eva Lamby-Schmitt.

China 50 Jahre nach dem Tod Maos Immer noch untersteht alles der Partei Stand: 13.09.2026 • 13:24 Uhr

50 Jahre nach dem Tod von Chinas Staatsgründer Mao Zedong ist die Volksrepublik ein kapitalistisches Land - seine Metropolen geprägt von Malls und Wolkenkratzern. Und doch kontrolliert die Kommunistische Partei weiterhin alles.

Eine Holztreppe führt hoch in den zweiten Stock zu einem Schlafzimmer. Ein Bett aus dunklem Holz steht direkt vor dem Fenster, seine Länge füllt den schmalen Raum komplett aus. An den Wänden stehen Kommoden und ein Schreibtisch mit einem Stuhl.

Hier, mitten im Jing'an-Viertel im Zentrum Shanghais wohnte Mao Zedong im Jahr 1920. Ein Jahr bevor er, ebenfalls in Shanghai, zusammen mit anderen die Kommunistische Partei Chinas gründete.

Am Ufer des Huangpu verläuft Shanghais historische Prachtpromenade. Nicht weit davon entfernt begann die Gründung der Kommunistischen Partei Chinas.

Das frühere Wohnhaus des "Großen Vorsitzenden Mao", des Gründers der Volksrepublik China, ist heute umgeben von urbanem Straßenverkehr, gläsernen Hochhäusern und einem großen Einkaufszentrum mit Läden internationaler Designermarken. Hier träumte Mao einst von Planwirtschaft und einer klassenlosen Gesellschaft.

Die 24-jährige Besucherin Rui ist überrascht, ausgerechnet hier eine frühere Residenz von Mao zu finden. Andere sehen die heutige Moderne als Teil des Fortschritts. Mao wäre wahrscheinlich froh über die Bürogebäude und die wirtschaftliche Entwicklung gewesen, meint der Shanghaier Tao Weiwei, der in dem Viertel unterwegs ist.

"Shanghai ist heute zweifellos eine Stadt mit enormem Kapital. Sie unterscheidet sich wahrscheinlich von der Utopie, die Mao sich vorgestellt hat, die heutige Realität sieht jedenfalls ganz anders aus", sagt Tao. "Aber ich habe das Gefühl, dass viele seiner Ideen - einschließlich unseres derzeitigen Landes und unseres politischen Systems - nach wie vor Bestand haben." Schließlich sei China immer noch eine Volksrepublik.

Die Staatsführung würdigt ihre Verdienste - dabei hatte sie einst gefürchtet, durch die Reformen ihrer Ära die Kontrolle zu verlieren. mehr

50 Jahre nach seinem Tod ist Mao Zedong nach wie vor präsent. Sein Bild ziert die Geldscheine in China, Maos Porträt hängt in Peking weiterhin am Platz des Himmlischen Friedens. Sein Leichnam liegt öffentlich in einem Mausoleum im Herzen der Hauptstadt.

Auch ideologisch wirkt Mao bis heute nach, alles steht unter der Kontrolle der von ihm mitgegründeten Partei, auch nach den Wirtschaftsreformen und der Öffnung des Landes nach seinem Tod.

"Die derzeitige Führung Chinas, darunter natürlich auch Staats- und Parteichef Xi Jinping, sind die Erben Maos. Insofern, als sie nach wie vor an seinen Prinzipien einer kommunistischen totalitären Diktatur festhalten", sagt der russische Historiker und Mao-Biograf Alexander Pantsov.

Mit einer riesigen Militärparade will Chinas Staatschef Xi Jinping ein Signal der Stärke senden. mehr

Unter der Herrschaft von Mao Zedong sind Millionen Menschen ums Leben gekommen. Bei der "Großer Sprung nach vorn" genannten, von Mao initiierten Kampagne sollten selbst Bauern Stahl für die rasche Industrialisierung des Landes produzieren. Die Folge war eine verheerende Hungersnot.

In der Kulturrevolution wurden politische Gegner verfolgt, gedemütigt und gefoltert: eine Bewegung, bei der Mao die Jugend anstiftete, gegen angebliche Konterrevolutionäre und bessergestellte Beamte, Lehrer und gar die eigenen Eltern vorzugehen.

Nach Maos Tod im Jahr 1976 zog die Parteiführung Bilanz: 70 Prozent seien gut gewesen, 30 Prozent fehlerhaft. Historiker Pantsov sieht das genau umgekehrt.

"Ja, er war ein Tyrann. Er war ein schlechter Mensch, ein schrecklicher Mensch. Aber er war ein nationaler Revolutionär, der dafür gesorgt hat, dass die gesamte Welt die Chinesen respektierte. Die Menschen in China werden das niemals vergessen." Das sei die größte Errungenschaft von Mao, so Pantsov.

Die Absetzung wirft ein Schlaglicht auf Chinas Machtapparat - und auf Xis militärische Ambitionen. mehr

"Ich erinnere mich noch genau an die Zeit, als Mao starb. Zehn Minuten nach Mitternacht am 9. September. Das wird immer in unseren Herzen bleiben", sagt eine Besucherin der früheren Mao-Residenz in Shanghai. Beim Tod von Mao war sie elf Jahre alt und hat als Kind auch die Kulturrevolution miterlebt.

Für sie sei Mao der Beste gewesen. Kein Wort über die dunklen Kapitel der Geschichte. Es ist ein sensibles Thema in China - wo auch heute noch Kritiker der kommunistischen Staats- und Parteiführung verfolgt werden.

Dieses Thema im Programm: tagesschau.de | China 50 Jahre nach Mao: Was von ihm geblieben ist | 09.09.2026 | 13:04 Uhr

Original Source
https://www.tagesschau.de/ausland/asien/china-50-todestag-mao-zedong-100.html
Visit Tagesschau ↗
SHARE STORY:
𝕏 f in

Related Coverage in Business