Debatte über Spritpreis-Entlastungen: Reiche gegen Preisdeckel und Übergewinnsteuer
Debatte über Spritpreis-Entlastungen Reiche gegen Preisdeckel und Übergewinnsteuer Stand: 16.09.2026 • 08:47 Uhr
Die Spritpreise steigen und steigen, deshalb hat Kanzler Merz Entlastungen angekündigt. Wie die aussehen könnten, darüber wird heftig diskutiert. Preisdeckel und Übergewinnsteuer hält das Wirtschaftsministerium beispielsweise für problematisch.
Bundeskanzler Friedrich Merz, CDU, hat angesichts der hohen Spritpreise Entlastungen angekündigt. Deshalb ist nun eine Debatte entbrannt, wie diese aussehen sollten. Zentralen Forderungen der SPD erteilte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, CDU, nun eine Absage.
Sowohl ein Preisdeckel bei Kraftstoffen wie in Luxemburg als auch eine sogenannte Übergewinnsteuer seien "problematisch", hieß es nach übereinstimmenden Medienberichten aus Ministeriumskreisen.
Das Luxemburg-Modell sei aufgrund des Größenunterschiedes und der unterschiedlichen Marktstrukturen nicht auf Deutschland übertragbar. "Ein solcher Eingriff würde zudem rechtliche und finanzielle Risiken für den Staat mit sich bringen", hieß es weiter.
Eine Besteuerung der Krisengewinne von Mineralölkonzernen wird wiederum aus "rechtlicher wie ökonomischer Sicht" abgelehnt. Die Rechtmäßigkeit einer ähnlichen EU-Maßnahme aus der Gaskrise 2022 werde derzeit noch vor Gericht geklärt.
Auch die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer hält die Maßnahmen für problematisch. "Ein erneuter Tankrabatt oder pauschaler Preisdeckel wären aus ökonomischer Sicht der falsche Weg, weil sie das Knappheitssignal hoher Ölpreise abschwächen und den Staat viel Geld kosten können", sagte Schnitzer der Rheinischen Post. Eine Übergewinnsteuer sei ebenfalls kein einfacher Ausweg, denn Übergewinne seien schwer sauber abzugrenzen.
Auch der Kanzler hatte sich gegen eine Übergewinnsteuer ausgesprochen.
Er sei der Meinung, "dass wir handeln müssen". Das "genaue Instrumentarium" stehe allerdings noch nicht fest. mehr
Reiche selbst hatte in den vergangenen Tagen wiederum Direktzahlungen an Haushalte mit geringen Einkommen ins Spiel gebracht, was vom Bundesfinanzministerium umgesetzt werden müsste.
Für diese Maßnahme sprach sich auch der Vorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, Dennis Radtke, aus. "Direktzahlungen an Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen sind richtig, wenn sie schnell und unbürokratisch kommen", sagte Radtke den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Nach Ansicht von Radtke reicht das jedoch nicht. "Wenn sich die Preise an den Zapfsäulen deutlich stärker bewegen als die Beschaffungskosten, muss geklärt werden, wer hier welche Krisengewinne macht." Laut Radtke wäre es den Menschen kaum zu erklären, wenn der Staat Milliarden für Entlastungen aufbringe und gleichzeitig "die Gewinne der Konzerne sprudeln".
Benzin und Diesel werden immer teurer - und eine Ende ist bislang nicht in Sicht. mehr
Verbraucherschützer forderten ebenfalls gezielte Hilfen für bedürftige Haushalte. "Verbraucherinnen und Verbraucher leiden nun schon seit mehreren Monaten in verschiedenen Lebensbereichen unter hohen Preisen", sagte die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Ramona Pop, der Neuen Osnabrücker Zeitung. Ein alleiniger Fokus auf Entlastungen bei den Spritpreisen dürfe darauf aber nicht die Antwort sein. Die Regierung müsse die Entwicklung der Lebenshaltungskosten langfristig und umfassend in den Blick nehmen.
Eine ähnliche Richtung schlägt auch Grünen-Co-Fraktionschefin Katharina Dröge vor. Sie plädierte für eine sofortige Senkung der Stromsteuer, aber ebenso für eine Übergewinnsteuer. "Es ist allerhöchste Zeit für eine Übergewinnsteuer für Ölkonzerne." Die Einnahmen müssten über ein sogenanntes Energiegeld direkt bei den Menschen ankommen - und das "nicht erst in Wochen oder Monaten." "Deshalb fordern wir eine Stromsteuersenkung jetzt sofort."
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Unterdessen dringen auch die deutschen Spediteure auf staatliche Entlastung. "Wir fordern keine Subventionen mit der Gießkanne. Wir fordern eine Obergrenze für Kraftstoffe wie in Belgien und Luxemburg", sagte Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr und Logistik (BGL), der Augsburger Allgemeinen. Er verlangte zudem einen verbilligten Transportdiesel nach Vorbild europäischer Nachbarländer. Dem Branchenvertreter zufolge legen Spediteure derzeit wegen der hohen Ausgaben für Diesel in spürbarem Maße Lkw still.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) hält dem Bericht zufolge einen anderen Weg für geeigneter: Die Bundesregierung solle in Erwägung ziehen, die Energiesteuern auf das europäische Mindestmaß abzusenken, sagte DIHK-Außenhandelschef Volker Treier dem Blatt. Er warnte davor, dass der Preissprung bei Energie eine erhebliche Belastung für die deutsche Volkswirtschaft zu werden droht.
Dieses Thema im Programm: BR24 Radio | Nachrichten | 16.09.2026 | 06:05 UhrNDR Info | Nachrichten | 16.09.2026 | 06:10 Uhr
