Diego Garcia - Streit um einen Militärstützpunkt

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Eigentlich wollte London die Insel Diego Garcia an Mauritius zurückgeben. Doch US-Präsident Trump stoppte den "schrecklichen" Deal. Für ihn geht es um einen der wichtigsten US-Militärstützpunkte. Von Stephan Ueberbach.

Militärstützpunkt Diego Garcia Das große Zerren um eine kleine Insel Stand: 25.09.2026 • 18:47 Uhr

Eigentlich wollte London die Insel Diego Garcia an Mauritius zurückgeben. Doch US-Präsident Trump stoppte den "schrecklichen" Deal. Für ihn geht es um einen der wichtigsten US-Militärstützpunkte.

Die Chagos-Inseln im Indischen Ozean, Tausende Kilometer von der nächsten Küste entfernt, sind für Militärstrategen in London und Washington von großer Bedeutung. Denn auf der Hauptinsel Diego Garcia betreiben die USA und Großbritannien gemeinsam einen ihrer wichtigsten Luftwaffen- und Marine-Stützpunkte weltweit.

Die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien wollte die Inselgruppe eigentlich an Mauritius zurückgeben und sich den Stützpunkt Diego Garcia mit einem Pachtvertrag für weitere Jahrzehnte sichern.

Aber jetzt ist das entsprechende Abkommen aus dem vergangenen Jahr so gut wie gescheitert - auf Druck von US-Präsident Donald Trump. Die Regierung von Mauritius ist empört und pocht darauf, die Kontrolle über die Inseln zurückzubekommen.

Die Chagos-Inseln im Indischen Ozean liegen mitten im Nichts. Rund 1.000 Kilometer sind es bis zu den Malediven, fast 2.000 bis zu den Seychellen, 2.500 bis nach Mauritius. Aus der Luft sieht die Hauptinsel Diego Garcia aus wie ein schmales Hufeisen.

Die Inselgruppe ist - noch - britisches Überseegebiet. Allerdings hatte sich die Regierung in London nach jahrelangen Verhandlungen bereiterklärt, das Archipel an seine frühere Kolonie Mauritius zurückzugeben. Gleichzeitig wollten die Briten die Insel Diego Garcia für die nächsten 99 Jahre pachten und die Militärbasis gemeinsam mit den USA weiter nutzen.

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Washington hat das Abkommen lange unterstützt. Jetzt aber will Präsident Trump davon nichts mehr wissen. Er sagte am Rande der UN-Vollversammlung bei einem Treffen mit dem britischen Premier Andy Burnham:

"Ich finde es schrecklich. Es ist ein schreckliches Abkommen. Plötzlich erhebt jemand Eigentumsansprüche, der jahrzehnte-, jahrhundertelang überhaupt nicht in Erscheinung getreten ist", sagte Trump. Er fügte hinzu: "Ich halte das für lächerlich. Es ist erstaunlich, von welch strategischer Bedeutung dieser Ort ist. Es ist ein sehr wichtiges Stück Land."

Auf Diego Garcia gibt es einen Tiefseehafen für Kriegsschiffe, Munitionslager und Treibstoffdepots. Die Start- und Landebahnen sind lang genug für strategische Bomber vom Typ B2 oder B52, die bunkerbrechende Waffen tragen und Ziele etwa in Afghanistan, im Roten Meer oder dem 4.000 Kilometer entfernten Iran erreichen können.

Für die USA ist die Insel ein "unsinkbarer Flugzeugträger" und einer der wichtigsten Stützpunkte weltweit. Auch nach Ansicht des früheren britischen Premiers Keir Starmer, der das Abkommen mit Mauritius ausgehandelt und unterschrieben hatte, ist die Militärbasis von höchster strategischer Bedeutung, wie er vor gut einem Jahr sagte.

"Vom Einsatz von Flugzeugen zur Bekämpfung von Terroristen im Irak und in Afghanistan bis hin zur Einschätzung von Bedrohungen im Roten Meer und im Indopazifik - der Stützpunkt bildet das Fundament unserer Sicherheit", sagte Starmer. Er mache eine schnelle Truppenverlegung im gesamten Nahen Osten, in Ostafrika und Südasien möglich. "Seine Lage verschafft uns einen echten militärischen Vorteil", fügte er hinzu.

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Für Großbritannien heißt das kategorische Nein aus Washington: Das fertig ausgehandelte Abkommen mit Mauritius kann nicht so bleiben, wie es ist. Man werde ohne die Amerikaner nicht weitermachen, sagt Verteidigungsminister Wes Streeting.

"Der Grund, warum das so wichtig ist, liegt darin, dass unser Stützpunkt auf Diego Garcia eines der wichtigsten Güter für unsere nationale Sicherheit ist, über die wir irgendwo auf der Welt verfügen, sagte Streeting. "Er ist wichtig für uns, und er ist wichtig für die USA."

Mit Verhandlungen solle die Unsicherheit hinsichtlich der Frage beseitigt werden, ob dieser Stützpunkt jetzt und langfristig weiter betrieben werden könne, sagte Streeting. "Darüber macht sich Präsident Trump Sorgen, und wir auch."

Der Schritt kommt nicht überraschend. Denn die Vereinbarung mit Mauritius liegt schon seit Monaten de facto auf Eis. Und zwar nicht nur wegen des Widerstands aus Washington. Denn auch in London warnen Kritiker schon lange davor, Territorium fahrlässig aus der Hand zu geben - wovon andere Großmächte wie etwa China profitieren könnten. Die britische Regierung will jetzt ausloten, ob, und wenn ja: wie das Abkommen modifiziert werden kann.

In den 1960er-Jahren hatte Großbritannien den Chagos-Archipel von Mauritius getrennt, kurz bevor der Inselstaat unabhängig wurde. Für den Bau des Stützpunkts auf Diego Garcia wurden dann mehrere Tausend Menschen zwangsumgesiedelt. Bis heute kämpfen sie darum, in ihre Heimat zurückkehren zu können. Viele fühlen sich bei den Verhandlungen über die Rückgabe der Inseln übergangen.

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Einer der sogenannten Chagossianer sagte dem Sender CNA: "Seit 50 Jahren leben die Menschen der Chagos-Inseln im Exil, verbannt aus ihrer Heimat, beraubt ihrer Kultur und ihrer Lebensweise. Deshalb sollten wir im Mittelpunkt aller Entscheidungen stehen und in der Lage sein, unsere Ansichten und Meinungen zu äußern."

Für Mauritius ist das vorläufige Aus der Vereinbarung mit der früheren Kolonialmacht auch aus finanziellen Gründen ein herber Rückschlag. Denn der Regierung fehlen damit Einnahmen von rund 100 Millionen Pfund pro Jahr. Premierminister Navin Ramgoolam schließt rechtliche Schritte nicht aus und bezeichnet die Souveränität seines Landes über den Chagos-Archipel als "nicht verhandelbar".

Sein Außenminister ergänzte, Mauritius werde keine Mühen scheuen, um die Kontrolle der Inseln zurückzuerlangen. Ende des Monats will der mauritische Regierungschef nach London reisen, um über die Chagos-Frage zu sprechen.

Man werde die Sache durch Diplomatie und Dialog weiterverfolgen, heißt es aus der Hauptstadt Port Louis. Dort fühlt man sich im Recht. Schließlich hatte der Internationale Gerichtshof die Abtrennung des Archipels schon 2019 in einem Gutachten als völkerrechtswidrig bezeichnet. Seitdem verlangen auch die Vereinten Nationen die Rückgabe der Inseln. Solange Trump im Weißen Haus sitzt, dürfte daraus allerdings nichts werden.

Dieses Thema im Programm: tagesschau.de | Machtpoker im Indischen Ozean: Warum wieder um die Chagos-Inseln gerungen wird | 25.09.2026 | 16:50 Uhr

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https://www.tagesschau.de/ausland/afrika/afrika-indischer-ozean-chagos-usa-mauritius-100.html
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