"Früher war das einfacher für mich": Wolfgang Petry gewährt seltene Einblicke - T-Online
Wolfgang Petry: Der Sänger ist seit Jahren nahezu von der Bildfläche verschwunden – Interviews gibt er ohnehin sehr selten. (Quelle: imago/Scherf)VorlesenAktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:001xArtikel teilenWolfgang Petry gibt seit dem Ende seiner aktiven Bühnenkarriere fast nie Interviews. Für t-online hat der Musiker eine Ausnahme gemacht.
27 Jahre ist es her, dass Wolfgang Petry zuletzt ein Konzert gespielt hat. Vor 20 Jahren beendete der Musiker zudem seine Karriere. Damals sagte Petry, er empfinde es als "grausam, ein Star zu sein". Die zunehmende Bekanntheit habe ihn "nachdenklich und verschlossen" werden lassen. Seither sind öffentliche Auftritte des 75-Jährigen rar geworden. Wolfgang Petry lebt weitgehend zurückgezogen.
Zudem gilt es als aussichtslos, den Sänger für ein Interview zu gewinnen. Auch t-online blitzte im Sommer dieses Jahres ab. Einige Wochen später meldete sich das Management des Musikers aber doch: Wenn noch Interesse bestünde, beantworte Wolfgang Petry gerne einige Fragen – allerdings nur schriftlich.
"Mit 75 Jahren erlebe ich die Zeit noch sehr bewusst und bemühe mich, diese auch noch ein bisschen zu dehnen", teilt Wolfgang Petry auf die Frage nach seinem Alter mit. "Ich treibe viel Sport und ernähre mich gesund."
Ob er Angst vor dem Tod habe oder die Endlichkeit des Lebens mit zunehmendem Alter sogar etwas von ihrem Schrecken verliere, beantwortet Petry so: "Ich weiß, dass das Leben endlich ist und gebe der Angst kaum Möglichkeiten, in mich einzudringen! Bis jetzt ist mir das gut gelungen."
Wolfgang Petry ist seit 1972 mit seiner Frau Rosie verheiratet, gemeinsam bekamen sie zwei Jahre nach der Hochzeit einen Sohn: Achim Petry, der ebenfalls Schlagersänger ist. 2006 und 2008 erweiterten zwei Enkel den Familienkreis: Giorgio und Giuliano. Für ein neues Album – Petry hat seit dem Ende seiner aktiven Bühnenkarriere vier Alben aufgenommen, ein fünftes kommt an diesem Freitag hinzu – nahm er mit allen drei Generationen einen Song auf. "Ich bin ein stolzer Opa", sagt Petry. "Meine beiden Enkel Giorgio und Giuliano stehen mit einer guten Einstellung mitten im Leben."
Er mache sich "keine Sorgen" um deren weitere Entwicklung. Außerdem versuche er, ein gutes Vorbild zu sein – besonders als Familienoberhaupt. "Ich denke als Ältester sollte man für einen guten Zusammenhalt stehen und ich versuche das vorzuleben", sagt Petry.
Wolfgang Petry mit seiner Ehefrau Rosemarie und Sohn Achim im Jahr 1982. (Quelle: IMAGO/STAR-MEDIA)Bis heute verkaufte der Sänger mehr als 20 Millionen Tonträger. "Da ich jeden Tag Lieder schreibe, kommt da keine Langeweile auf. Ich werde kein neues Album mehr machen, aber Lieder schreibe ich weiter, Tag für Tag und das ist ein ganz großes Privileg", so Petry auf die Frage, wie er sich seine Zukunft vorstelle. Das kommende Album "Ein Leben lang" sei definitiv sein letztes. Was danach kommt: ungewiss.
In einigen seiner Songs – auf der neuen Platte sind Neuauflagen alter Hits, aber auch Erstveröffentlichungen zu finden – ist zu spüren, dass Wolfgang Petry nicht nur auf ein bewegtes Leben im Zeichen der Musik zurückblicken möchte. Auch gesellschaftliche und politische Entwicklungen beschäftigen den Musiker, der seit seiner Debütsingle "Sommer in der Stadt" im Jahr 1976 im Rampenlicht steht.
So sinniert er in dem Song "Zehn Mark", sich seine "alte Welt" zurückzuwünschen. Moderne Sachen seien nichts für ihn. Was Petry damit meint, erklärt er so: "Ich habe keine Kreditkarte, also gehe ich nicht mehr einkaufen. Früher war das einfacher für mich, ich hatte zehn Mark in der Tasche, legte das Geld hin und ging wieder meiner Wege."
Die nächsten Generationen: Achim Petry mit seinen Söhnen Giorgio und Giuliano im Jahr 2024. (Quelle: IMAGO)Generell vermisse er bestimmte Werte. "Das sind die kleinen Dinge im Alltag, manchmal etwas mehr Freundlichkeit oder auch ein bisschen mehr Fleiß", so Petry. Dennoch sei er sich bewusst, dass es in der "Natur des Menschen" läge, "die Vergangenheit immer besser zu bewerten".
Auf die Frage, ob das füreinander einstehen, einander zuhören und Verantwortung übernehmen in Deutschland verlernt worden sei, sagt Wolfgang Petry: "Ich glaube ja. Kinder werden im Alltag oft allein gelassen, mit ihren Problemen, mit ihren Computern, mit ihrem Essverhalten und mit ihrer sozialen Einstellung zum Leben."
Video"Es wäre vermessen von mir, Menschen zu belehren"Auch er nehme wahr, dass große Unsicherheit herrsche – wirtschaftlich, gesellschaftlich und mit Blick auf die Weltlage. "Abgesehen von Kriegen, die keiner will, haben die Menschen große Angst vor gesellschaftlichem Abstieg", sagt Petry. Als Beispiele nennt der Liedermacher "Strom- und Spritpreise, die kaum noch aufzubringen sind".
Und doch wolle er seine Rolle als Künstler nicht überhöhen. "Ich bin kein Politsänger und kann nur kleine Ratschläge geben", sagt Petry. Es verlaufe ein schmaler Grat zwischen Haltung und Belehrung. Den richtigen Ton zu treffen, sei herausfordernd. "Es wäre vermessen von mir, Menschen zu belehren", erklärt er abschließend. "Den Weg des Lebens kann und sollte jeder für sich finden!"
