Hunderttausende Hektar Wald brennen in Indonesien

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Trotz wochenlanger Löscharbeiten lodern in Indonesien weiter verheerende Waldbrände. 200.000 Hektar sollen abgebrannt sein, mehr als 10.000 Schulen sind geschlossen. Große Teile Südostasiens leiden unter dem Smog. Von Florian Bahrdt.

Borneo und Sumatra Hunderttausende Hektar Wald brennen in Indonesien Stand: 24.09.2026 • 14:41 Uhr

Trotz wochenlanger Löscharbeiten lodern in Indonesien weiter verheerende Waldbrände. 200.000 Hektar sollen abgebrannt sein, mehr als 10.000 Schulen sind geschlossen. Große Teile Südostasiens leiden unter dem Smog.

Direkt neben dem Kreisverkehr in der indonesischen Stadt Pontianak haben die Behörden ein Stahlgerüst mit einer riesigen Anzeigetafel errichtet. Darauf werden in Echtzeit die aktuellen Luftwerte angezeigt. In Großbuchstaben steht da "BERBAHAYA", Indonesisch für "gefährlich".

Am Straßenrand hat Deden Hidayat seinen Imbisswagen abgestellt. Hier verkauft er Snacks an Auto- und Motorradfahrer. Die wegen verheerender Waldbrände schlechte Luft trifft ihn gleich doppelt. "Ich versuche, mein Geschäft so gut es geht weiter zu betreiben. Aber meine Atmung ist beeinträchtigt. Vor den Bränden hatte ich immer viele Kunden. Jetzt bleiben viele zu Hause", sagt er.

Seit Anfang Dezember wurden in Indonesien mehr als 10.000 Schulen wegen der schlechten Luftwerte geschlossen. Rund 1,4 Millionen Schülerinnen und Schüler konnten an ihrem Unterricht lediglich online von zu Hause aus teilnehmen. Das Bildungsministerium berät alle drei Tage dazu, wie lange die betroffenen Schulen weiterhin geschlossen bleiben.

In Indonesien brennt es zurzeit in mehreren Regionen. Am schwersten betroffen ist der indonesische Teil der Insel Borneo. Der zweite große Brandherd liegt auf Sumatra. Beides sind die flächenmäßig größten Gegenden des Landes.

Brennende Felder sind zu dieser Jahreszeit nichts Ungewöhnliches. Landwirte fackeln trockene Pflanzenreste ab. Es ist eine billige und schnelle Methode, den Anbau von Nutzpflanzen vorzubereiten, insbesondere für die Produktion von Palmöl und Papierholz.

Doch einige Feuer sind offenbar außer Kontrolle geraten. So heftig haben die Wälder seit elf Jahren nicht mehr gebrannt.

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54.000 indonesische Helfer sind im Einsatz. Mit Löschflugzeugen unterstützt die indonesische Armee die Einsatzkräfte am Boden. Auch Malaysia und Japan helfen dem riesigen Inselstaat Indonesien mit Rettungskräften und Hubschraubern.

Der Kampf gegen die Flammen ist jedoch besonders in den Moorgebieten schwierig, weil sich das Feuer unterirdisch ausbreitet. Mit neuen Löschmethoden und Rohren versucht die Feuerwehr, die Flammen unter der Erde zu ersticken.

Aus der Luft bringen Einsatzkräfte Chemikalien in die Wolken ein, um künstlich Regen zu fördern, erklärt Daniel Sinyor, der Chef der Katastrophenschutzbehörde. "Wir wollen diese künstlichen Wetterveränderungen sowie Abwürfe von Wasserbomben ausweiten. Am besten wäre es aber, wenn es zusätzlich noch natürlichen Regen gäbe."

Der dichte Rauch in weiten Teilen Südostasiens führt zu gefährlichen Gesundheitsrisiken.

Seit Wochen leiden die Menschen in der Region vermehrt unter Atemwegserkrankungen, Husten, belegten Bronchien, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Und mittlerweile regt sich Protest.

Menschenrechtsgruppen in der Provinz West-Kalimantan haben eine Sammelklage gegen Indonesiens Präsidenten Prabowo Subianto und seine Regierung eingereicht. Die Kläger fordern, dass der nationale Katastrophenzustand ausgerufen wird und Gelder aus dem Notfallfonds freigegeben werden. Außerdem fordern sie Entschädigungen und Wiederaufbaumaßnahmen für betroffene Gemeinden.

Rechtsanwalt Glorio Sanen vertritt die Kläger und sagt: "Die anhaltende Trockenzeit, die Kalimantan in diesem Jahr betrifft, ist auch eine Folge des El-Niño-Phänomens. Das wurde doch schon vor langer Zeit angekündigt. Wir finden, dass die Regierung trotzdem nicht ausreichend vorbereitet war."

Die indonesische Regierung erklärte, sie wolle das Abbrennen von Feldern als "ökologischen Terrorismus" klassifizieren und härtere Strafen ermöglichen.

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Die Luftqualität verschlechtert sich auch in den Nachbarstaaten Malaysia, Brunei und Singapur. Über weiten Teilen der Länder liegt immer wieder ein dichter, grauer, nebelartiger Dunst, und es riecht nach Feuer. Die Behörden weisen auf die Belastung für die Atemwege insbesondere bei Aktivitäten im Freien hin.

Joel Aik ist Umwelt- und Gesundheitsexperte an der medizinischen Hochschule in Singapur. In einem Podcast der BBC warnt er vor den Folgen schlechter Luft und hoher Feinstaubwerte: "Unsere Forscher haben sich Fälle von Herzstillstand in Singapur über einen Zeitraum von zehn Jahren angesehen. Wir haben uns dann Feinstaubwerte an Tagen angeschaut, an denen es mehr Fälle von Herzstillständen gab, und wir haben einen Zusammenhang festgestellt."

Der Smog hängt auch von der Windrichtung ab und ändert sich täglich. Viele Menschen in der Region verfolgen deshalb die aktuellen Luftwerte besonders genau, meist über Apps auf dem Smartphone. Vorübergehend sinkt die Feinstaubbelastung durch Regen. Doch davon kommt zurzeit wenig vom Himmel.

Und da es in Indonesien weiter brennt, könnten die schlechten Luftwerte die Menschen in Südostasien noch Wochen begleiten.

Dieses Thema im Programm: NDR Info | Nachrichten | 24.09.2026 | 10:22 Uhr

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