Inflation: EZB erhöht Leitzinsen zum zweiten Mal in diesem Jahr - WELT
Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins angehoben, um der Inflation in der Eurozone entgegenzuwirken – damit steigt der Einlagenzins auf 2,5 Prozent. „Der Inflationsdruck wird eher noch größer als weniger“, meint WELT TV-Wirtschaftsexperte Dietmar Deffner.Quelle: WELT TV
Zur Eindämmung der hartnäckigen Inflation hebt die EZB den Leitzins auf den höchsten Stand seit rund anderthalb Jahren. Experten hatten fest mit der Anhebung gerechnet.
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Die Europäische Zentralbank stemmt sich gegen die Inflation mit einem höheren Leitzins. Der zum Steuern der Geldpolitik maßgebliche Einlagensatz wurde um einen Viertelpunkt auf 2,5 Prozent angehoben, wie die EZB am Donnerstag auf einer auswärtigen Sitzung in Berlin beschloss. Höher lag das Zinsniveau zuletzt im Februar 2025 mit damals 2,75 Prozent. Die Währungshüter hatten bereits im Juni erstmals seit fast drei Jahren den Schlüsselsatz angehoben und damit auf die vom Iran-Krieg angefachte Inflation reagiert.
Nun strafften sie den geldpolitischen Kurs weiter, da die Inflationsrate mit 3,3 Prozent deutlich über das Ziel von 2,0 Prozent hinausgeschossen war. Experten hatten bereits fest mit der Anhebung gerechnet.
„Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck, und die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben“, erklärte die Notenbank. Der Ausblick sei „nach wie vor mit hoher Unsicherheit behaftet“, wobei eine höhere Inflation und weniger Wirtschaftswachstum drohe.
Höhere Leitzinsen verteuern Kredite für Verbraucher und Firmen, was die Nachfrage bremsen und so die Inflation dämpfen kann. Sparer können profitieren, wenn Banken die besseren Konditionen weitergeben. Zugleich jedoch sind steigende Zinsen eine Belastung für alle, die investieren wollen – von Privathaushalten bis Unternehmen. Hebt die EZB die Zinsen zu stark an, kann das die Konjunktur abwürgen.
An den Terminmärkten stellt man sich darauf ein, dass eine weitere Zinserhöhung bereits im Dezember kommen wird.
Der Ölpreis war Mitte der Woche wieder über die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar je Barrel gesprungen. Anleger befürchten wegen der eskalierenden Angriffe im Nahen Osten eine Unterbrechung der Öllieferungen aus der Region.
Bundesbankchef Joachim Nagel betonte unlängst, es gebe dafür noch keine Anzeichen. Er verwies auf das Abebben der sogenannten Kerninflation, in der die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel ausgeklammert werden. Diese von der EZB stark beachtete Kennziffer ging zuletzt auf 2,4 Prozent zurück, von 2,5 Prozent zuvor.


