„Kein Gelehrter, sondern möglicherweise nur ein geldgieriger Betrüger“ - WELT
Kommt es zu einer Anklage, muss sich Dehran Asanav vor Gericht verantwortenQuelle: Martin Gerten/dpaDer salafistische Propagandist Dehran Asanov predigte Enthaltsamkeit und rief zu Spenden auf. Nun wurde er festgenommen – weil er mit dem Geld seiner Zuhörer mutmaßlich seinen aufwendigen Lebensstil finanzierte. NRW-Minister Reul warnt vor „Hass und Hetze“.
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Er predigte Enthaltsamkeit – dachte aber offenbar vor allem an sich selbst: Dehran Asanov, einer der zurzeit einflussreichsten Propagandisten der deutschen Salafisten-Szene, maßte sich an, in seinen Ansprachen die vermeintlich wahre Religion zu lehren und seinen Zuhörern sagen zu können, wie sie leben sollten. Er rief sie zu Spenden für die gute Sache auf. Doch das Geld steckte er sich mutmaßlich in die eigene Tasche, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Dies wirft ihm die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft vor. Am Mittwoch ließ die Behörde den 33-Jährigen festnehmen – wegen des Verdachts des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs.
Nach Informationen von WELT aus Behördenkreisen rief er bereits mindestens seit dem Jahr 2021 über Instagram zu Spenden auf. Die Düsseldorfer Kriminalpolizei führte ein verdecktes Ermittlungsverfahren gegen Asanov. Bei Finanzermittlungen bemerkten die Beamten den Informationen zufolge, dass Asanov eingehende Zahlungen entweder in bar abhob oder für die Finanzierung seines eigenen, dem Vernehmen nach recht aufwendigen Lebensunterhaltes verwendete.
Bisher gibt es noch keine Anklage, bewiesen sind die Vorwürfe erst, falls sie richterlich bestätigt werden. Asanov befindet sich nach Vollstreckung des Haftbefehls derzeit in Untersuchungshaft. Die Polizei will am Donnerstag in einer Pressekonferenz informieren.
In der Salafisten-Szene tritt Asanov unter dem Namen Abdelhamid auf. Den Sicherheitsbehörden ist er seit 2018 bekannt. In früheren Jahren predigte er zunächst in Moscheen, die von Roma besucht wurden, außerdem war er für die Gruppe Ansaar International aktiv.
Mittlerweile gilt Asanov alias Abdelhamid als einer der bundesweit einflussreichsten salafistischen Propagandisten. Allein auf seinem TikTok-Account hat er rund 600.000 Follower. Zu seinen Vorträgen in der Realwelt erscheinen teilweise mehr als Tausend Besucher. Seine Zielgruppe ist vor allem ein sehr junges Publikum. Asanov predigt ihnen einen Islam salafistischer Lesart, also etwa eine wortgetreue Auslegung des Koran und eine Vorherrschaft der Scharia, sowie eine Unterordnung der Frau gegenüber dem Mann.
In der Szene ist Asanov gut vernetzt, tritt häufig mit dem unter dem Namen Abu Alia bekannten Prediger Efstathios Tsiounis auf. Zuletzt konzentrierte sich Asanov allerdings vor allem auf die Organisation religiöser Reisen nach Mekka.
Bei der Durchsuchung bei Asanov stellten die Ermittler nach Informationen aus Behördenkreisen rund 2000 Euro Bargeld sowie mehrere Rolex-Uhren sicher. Die Ermittler sicherten zudem Asanovs Auto. Weil der Verdacht bestand, Asanov könne sich mit dem Geld nach Dubai absetzen, erfolgte am Mittwoch der Zugriff.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU)Quelle: Federico Gambarini/dpaNordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte WELT, die Sicherheitsbehörden wüssten, „schon lange, dass das kein frommer Bürger ist“: „Mit seinen Tiraden im Netz schürt er Hass und Hetze, pflanzt islamistisches Gedankengut in die Köpfe der jungen User.“
„Spendengelder zu veruntreuen und sich mit Lug und Trug zu bereichern, ist nicht nur unredlich, sondern eine Straftat. Die den selbsternannten Prediger darüber hinaus entlarvt. Dieser Mann ist kein Gelehrter, sondern möglicherweise nur ein geldgieriger Betrüger“, so Reul.
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