Russlands Krieg gegen die Ukraine Wettlauf der schnellen Drohnen
Russischer Angriffskrieg Ukrainische Aufholjagd bei Drohnen Stand: 24.09.2026 • 19:50 Uhr
Gelingt es der Ukraine, den russischen Vorsprung bei schnellen, mit Jetantrieb ausgestatteten Drohnen aufzuholen? Die Antwort entscheidet über Leben und Tod vieler Menschen.
Ein aus Sperrholzplatten zusammengezimmerter Unterstand an der ukrainischen Schwarzmeerküste. Die Fenster sind mit Folie zugeklebt. Nichts deutet von außen darauf hin, dass sich im Inneren dieser Bretterbude militärische Hochtechnologie verbirgt. Und so soll es auch bleiben: Die Soldaten, die hier arbeiten, wollen Jäger sein - nicht selbst zu Gejagten werden.
Oleksii, 28 Jahre alt, in Flecktarnhose und T-Shirt gekleidet, führt ins Innere: Sechs Feldbetten lassen darauf schließen, dass hier Tag und Nacht gearbeitet wird. Doch das Herzstück dieser Verteidigungsstellung ist ein Monitor, der eigentlich ein Radarschirm ist: Die eigenen, ukrainischen Drohnen erscheinen in blauer Farbe, erklärt uns Oleksii. Die russischen sind als orangefarbene Dreiecke gekennzeichnet. Damit es bei der Flugabwehr nicht zu Verwechslungen kommt.
Gerade ziehen mehrere feindliche Drohnen ihre Kreise über der Hafenstadt Odessa - in 6.000 Metern Höhe. Das Problem: Was die vorhaben, ob sie bereits ein bestimmtes Ziel im Visier haben, wann sie zuschlagen, weiß hier niemand. Manchmal würden sie sich plötzlich fallen lassen, erklärt Oleksii.
Das zweite Problem: Höhe und Geschwindigkeit der russischen Drohnen machen sie für den jungen Soldaten und seine Kameraden hier am Boden unerreichbar. Es handle sich um Drohnen mit Jet-Antrieb, die da oben ihre Kreise zögen, erläutert Oleksii. Laut Radar sind sie fast 600 Kilometer pro Stunde schnell. Zu schnell für die ukrainische Flugabwehr und die herkömmlichen Abfangdrohnen.
Die Hosts des NDR-Podcast Streitkräfte und Strategien besuchen einen aus Sperrholzplatten zusammengezimmerten Unterstand. Zu sehen sind Abfangdrohnen des Typs P1Sun der ukrainischen Firma Skyfall.
Russland hatte seine - auch Kamikazedrohnen genannten - Angriffsdrohnen seit Jahresbeginn entscheidend weiterentwickelt: Pate steht weiterhin das iranische Modell vom Typ "Shahed" mit seinem typischen, schwarzen Delta-Flügel. Das soll laut ukrainischem Geheimdienst auch deutsche Technologie enthalten.
Hatten die Verbündeten vom Persischen Golf diese "Shaheds" anfangs noch selbst geliefert, hat die russische Kriegsindustrie diese jedoch längst kopiert, in gewaltiger Stückzahl selbst hergestellt und in "Geran"-Drohne umbenannt. Damit ist also eine Balkonpflanze ("Geranie") Namensgeber des gefürchteten Todeswerkzeugs.
Für die "Geran-2"- und "Geran-3"-Drohnen, die nur bis zu 200 Kilometer pro Stunde schnell fliegen, fand die Ukraine rasch ein Gegenmittel, die Abfangquote war entsprechend hoch. Doch die Weiterentwicklungen "Geran-4"- und- "Geran-5" sind nun mit einem Jet- oder Strahl-Triebwerk ausgestattet. Diese Hochgeschwindigkeitsdrohnen waren bis zuletzt für die ukrainische Flugabwehr kaum zu bekämpfen, die Abfangquote sank bedrohlich.
Metropolen wie Odessa oder Kiew befinden sich wegen der tödlichen Mischung aus "Geran"-Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen seit Juli im Grunde unter Dauerbeschuss, bis zu 20 Mal pro Tag schrillen hier die Alarmsirenen. Als "Terror aus der Luft" beschreiben das die Menschen hier. Wieder einmal muss die Ukraine lernen, sich anzupassen, muss in diesem technischen Wettlauf einen russischen Vorsprung aufholen. Es ist ein Wettlauf um Leben und Tod.
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In dem kleinen Unterstand an der Schwarzmeerküste schaltet Soldat Oleksii eine Abfangdrohne scharf: Ein Piepston signalisiert, dass sie mit dem Controller Verbindung aufgenommen hat. Die winzigen Rotoren surren auf, als könnten sie es kaum erwarten, abzuheben. Der Körper des kleinen Flugobjekts erinnert an eine Thermoskanne.
Auf diese Abfangdrohne vom Typ "P1Sun" der ukrainischen Firma Skyfall ist man nicht nur hier an der Schwarzmeerküste richtig stolz: Gelang es mit ihrer Hilfe doch effizient und dazu noch kostengünstig, die viel größeren "Shahed"- beziehungsweise "Geran"-Drohnen Russlands vom Himmel zu holen.
Doch gegen die neue, schnelle "Geran-4"- und "Geran-5"-Generation vermag auch diese vermeintliche Wunderwaffe nichts auszurichten. Zu weit entfernt, zu schnell ziehen die ihre Kreise über Odessa. Außer Reichweite. Noch. Denn die Ukraine ist im Technologie-Wettrennen dabei, aufzuholen.
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"Wir haben bereits begonnen, die neuen Drohnen abzufangen", erklärt Dmytro Pletenchuk, Sprecher der ukrainischen NAVY im Interview mit dem NDR-Podcast Streitkräfte und Strategien. Näher ins Detail geht er nicht. Das tun dafür andere. Präsident Wolodymyr Selenskyj verkündete vor wenigen Tagen, man habe eine Lösung gefunden.
Eine neue Abfangwaffe sei erfolgreich getestet worden. Und der Rüstungshersteller Wild Hornets berichtete in sozialen Netzwerken davon, dass man eine jet-getriebene "Geran"-Drohne abgefangen habe. Und zwar seinerseits mit Abfangdrohnen vom Typ Sting S, die angeblich schneller als die herkömmlichen fliegen und dazu mit einer Wärmebildkamera ausgestattet sind, die den heißen Abgasschweif der "Geran"-Drohnen erfassen können.
Nun kommt es für die Ukraine darauf an, die neuen Modelle in Serie herzustellen - und die Soldaten darin zu schulen, umzudenken und mit dem neuen Gerät umzugehen: "Wenn man die Taktik ändert, braucht man Zeit, sich anzupassen. Das ist normal im Krieg. Und parallel dazu entwickelt der Feind sich auch wieder weiter", erklärt NAVY-Sprecher Pletenchuk. Solange dieser Krieg nicht endet, wird auch der Technologie-Wettlauf weitergehen.
Dieses Thema im Programm: NDR Info | Streitkräfte und Strategien | 22.09.2026 | 15:11 Uhr


