So zählt Deutschland zu den Besten der Welt - T-Online
Simon Jaehnig setzt sich für nachhaltige Lieferketten ein. (Quelle: HC Plambeck für t-online)VorlesenAktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:001xArtikel teilenGuten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,
neben dem echten Deutschland gibt es noch ein zweites. Es nennt sich "Twitter-Deutschland" und hat diesen Namen auch nach der Umbenennung der Social-Media-Plattform in den schnöden Begriff X beibehalten. Anders als früher, als es dort noch kreativ, unterhaltsam und oft ziemlich lustig zuging, gleicht dieses "Twitter-Deutschland" heute leider einer Kloake, in der Dumpfbacken und Extremisten ihren Hass auskübeln. Der Besitzer Elon Musk will es so, er scheint es toll zu finden. In Ausnahmesituationen blitzt die Schwarmkreativität jedoch noch einmal auf.
So ein Moment war gestern, als der neue Fußball-Bundestrainer live im Fernsehen seinen ersten Nationalmannschaftskader vorstellte. Da überschlugen sich viele Kommentatoren in "Twitter-Deutschland" vor Begeisterung und waren sich einig: Jürgen Klopp wäre der bessere Bundeskanzler! Der virtuelle Applaus wollte gar nicht mehr abebben.
Nun muss man berücksichtigen, dass Social-Media-Enthusiasten zur Übertreibung neigen, und für X gilt das erst recht. Trotzdem entsprang die kollektive Ehrbezeugung einem zutreffenden Eindruck. Denn Klopps Auftritt bot tatsächlich einen bemerkenswerten Kontrast zu vielen austauschbaren Politikerreden, die man hierzulande von morgens bis abends vernimmt. Nicht nur kam der Trainer mit der ebenso ungewöhnlichen wie cleveren Idee um die Ecke, den Kader stark zu vergrößern, um mehr jungen Spielern die Möglichkeit zu geben, sich im Kampf um einen Stammplatz im bedeutendsten Sportteam der Republik zu beweisen. Er sprach obendrein einige prägnante Sätze zur Lage des Landes. Diese Worte klangen zwar nicht so wohlformuliert wie von einem politischen Amtsträger, wirkten jedoch umso authentischer. Klopp klang wie ein Nachbar, der am Gartenzaun ausplaudert, was viele Menschen insgeheim auch so oder ähnlich denken.
Das hatte etwas mit der Kappe zu tun, die auf dem Klopp'schen Haupt thronte. Darauf prangten der Spruch "Einer von 83 Millionen" und die deutschen Nationalfarben. "Ich würde mir oder uns gerne die Fahne zurückholen", verkündete er in Anspielung auf das jüngste Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt, "ich möchte den Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen." Obgleich er das Wort AfD nicht in den Mund nahm, war klar, was er meinte: Nationalismus ist grundfalsch, aber ein patriotisches Bekenntnis zur freiheitlichen Demokratie kann die deutsche Bevölkerung in der gegenwärtigen Lage zusammenschweißen. Schwarz, Rot und Gold sollten eben nicht ein dumpfes Land der Ressentiments symbolisieren, sondern eine vielfältige, dynamische und solidarische Gesellschaft. Derart beflügelt, hob der Bundesmotivator zu einer Ruckrede an, die ihm in jeder Mannschaftskabine zur Ehre gereicht hätte, aber vor den Fernsehkameras des ganzen Landes noch viel besser aufgehoben war: Es hilft niemandem, ständig nur auf die eigenen Schwächen zu schauen. Lieber konzentriert man sich auf die Stärken. Schließlich ist Deutschland ein großartiges Land!
Jürgen Klopp will Deutschland motivieren. (Quelle: Boris Roessler/dpa)Machen statt meckern, andere einbeziehen statt ausgrenzen, gemeinsam alles geben, um irgendwann wieder zu den Besten der Welt zu gehören: Diese Haltung gibt nicht nur Kickern Schwung, sie taugt auch als Weckruf für ein Land, das sich täglich im Krisenlamento aalt. Eine große Vision ist es zwar nicht, aber eine großartige Einstellung, die mitreißen und Kraft verleihen kann. Ermutigung statt Ermahnungen, Mut statt Moralin: Wäre doch schön, so was hörte man öfter auch vom Kanzler und seinen Ministern.
Es ist dieselbe Haltung, die übrigens auch unserem Podcast "Vorangedacht" zugrunde liegt. Darin spreche ich mit Mutmachern, die das Land mit Einsatzfreude und Ideen voranbringen wollen. Die neue Folge lege ich Ihnen heute ans Herz: Meinen Gast Simon Jaehnig darf man zu den klügsten Köpfen der jungen Unternehmergeneration zählen. Gemeinsam mit zwei Kollegen hat er die Firma Integrity Next gegründet, die deutschen Unternehmen im globalen Wettbewerb entscheidende Vorteile verschaffen kann. In unserem Gespräch erzählt er, wie er auf die Idee kam, wie das Netzwerk funktioniert und was daraus erwachsen kann. Eindrucksvoll und lehrreich, meine ich. Hier können Sie den Podcast hören. Und wenn Sie ihn weiterempfehlen, applaudiert bestimmt nicht nur "Twitter-Deutschland".
"Deutschland ist ein sehr starker Technologiestandort", sagt Simon Jaehnig. (Quelle: HC Plambeck für t-online)Putin lässt "wählen"Wenn mehr als 110 Millionen Russen von heute an bis Sonntag die neue Staatsduma wählen, steht das Ergebnis selbstverständlich schon fest: Als klare Siegerin wird – wie seit mehr als zwei Dekaden – die Kremlpartei Geeintes Russland aus der Abstimmung hervorgehen. Höchstwahrscheinlich wird sie auch ihre Zweidrittelmehrheit im Parlament verteidigen, die es ihr ermöglicht, Verfassungsänderungen im Sinne von Kriegspräsident Wladimir Putin durchzudrücken. Zwar wurden insgesamt zehn Parteien zu der streng orchestrierten Scheinwahl zugelassen – die einzige wirkliche Oppositionskraft Jabloko, die sich gegen Putins "militärische Spezialoperation" in der Ukraine stellte, schloss der Oberste Gerichtshof des Landes aber sicherheitshalber aus.
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Denn brennende Ölterminals, ukrainische Drohnenangriffe, Benzinmangel und die Furcht vor einer neuen Rekrutierungswelle verunsichern die Menschen in Russland durchaus. Insofern handelt es sich bei der ersten Abstimmung seit Beginn der Invasion vor allem um einen Test für den Diktator, wie fest sein Polizeiapparat die Gesellschaft noch im Griff hat. Ein Zeichen der Stärke soll davon ausgehen, dass erstmals auch die von Moskau kontrollierten Teile der annektierten ukrainischen Regionen Cherson, Saporischschja, Luhansk und Donezk an der russischen Abstimmung teilnehmen. Dort werden Bürger von "Wahlhelfern" in Soldatenbegleitung auf der Straße angehalten und zur Stimmabgabe an mobilen Urnen genötigt. So will Putin den Eindruck erwecken, die Oblaste seien legitimer Teil Russlands und die Bevölkerung heiße die Besatzung gut. Es ist eine Farce.
CO2-Transportschiff "Carbon Destroyer 1" vor der Plattform Nini West. (Quelle: INEOS Energy/dpa)Viele halten es für eines der spannendsten europäischen Klimaschutzprojekte: Mitten in der Nordsee, rund 200 Kilometer vor der dänischen Küste, liegt die Ölplattform Nini. Weil das dortige Ölfeld mittlerweile leergepumpt ist, gibt es tief unter dem Meeresboden Platz – der mit CO2 gefüllt werden soll. Bis zu acht Millionen Tonnen des Treibhausgases – so viel, wie die Stadt Frankfurt am Main pro Jahr verursacht – sollen dort jedes Jahr in jene Gesteinsschichten eingespeichert werden, die vorher das Öl umschlossen hatten.
Heute ist es nach langen Vorbereitungen so weit: Dänemarks König Frederik X. eröffnet das Lager gemeinsam mit EU-Kommissar Dan Jørgensen und Finanzminister Peter Hummelgaard. Zwar monieren Kritiker, dass die zugrundeliegende CCS-Technologie ("Carbon Capture and Storage") zu teuer sei und von der notwendigen Abkehr von fossilen Energieträgern ablenke. Als einen von vielen Bausteinen im Kampf gegen den Klimawandel darf man das ambitionierte Verfahren aber ruhig mal begrüßen.
Die Bundesregierung ringt einmal mehr um einen Weg, Entlastung bei den hohen Spritpreisen zu schaffen. Während CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche dabei sowohl einen Preisdeckel als auch eine Übergewinnsteuer ablehnt, wirbt SPD-Finanzminister Lars Klingbeil genau für letztere: also eine Sonderabgabe auf die kräftig gestiegenen Profite der Mineralölkonzerne. Beim heute beginnenden Treffen der EU-Finanzminister in Dublin will sich der Vizekanzler für ein koordiniertes europäisches Vorgehen in diesem Sinne starkmachen. Bleibt die Frage, warum die Regierenden nicht auch dazu animieren, das Auto öfter stehen zu lassen.
Bundestrainer-Kappe: Jürgen Klopp beschwört einen "positiven Patriotismus". (Quelle: Peter Hartenfelser/imago)Wieso trifft Jürgen Klopp den richtigen Ton, Friedrich Merz jedoch nicht? Mein Kollege Philipp Michaelis ahnt die Antwort.Artikel lesen
In der jüngsten Umfrage aus Mecklenburg-Vorpommern überholt die SPD mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig die AfD. Taktisches Wählen scheint eine große Rolle zu spielen, zeigt mein Kollege Julian Alexander Fischer.Artikel lesen
Die AfD hat die Wahl in Sachsen-Anhalt haushoch gewonnen. Doch nun sitzt ihr Spitzenmann Ulrich Siegmund in der Falle, schreibt unsere Reporterin Annika Leister.Artikel lesen
Bisher haben die strategischen Reserven der großen Volkswirtschaften eine globale Ölkrise verhindert. Nun aber verschärft sich die Lage, berichtet mein Kollege Patrick Diekmann.Artikel lesen
Mal wieder Erfolge feiern, statt über Probleme zu jammern? Das klingt so.
Mario Lars Ich wünsche Ihnen einen kreativen Tag.
Mit Material von dpa und Reuters, Recherche unterstützt von Google Gemini und Claude (Anthropic).


