Ukraine-Krieg im Liveticker: +++ 08:52 Estland plant den Bau von 150 Bunkern an russischer Grenze +++
Die Außenbeauftragte der Europäischen Union, Kaja Kallas, will bei bevorstehenden internationalen Treffen auf eine stärkere Unterstützung für die Ukraine dringen. Zudem solle die Rechenschaftspflicht Russlands vorangetrieben werden. "Russland muss zur Rechenschaft gezogen werden", schreibt sie auf der Plattform X. Dies solle über ein Sondertribunal und eine Kommission für Schadenersatzforderungen geschehen. Kallas will ihre Forderungen beim EU-Kanada-Gipfel und dem G20-Außenministertreffen in Atlanta vorbringen.
Bei der geplanten Anschaffung von Kamikazedrohnen für die Bundeswehr sieht Verteidigungsminister Boris Pistorius auf der Zielgeraden: Die technische Qualifizierung stehe kurz vor dem Abschluss, sagt der SPD-Politiker in München am Rande eines Besuchs bei dem Münchner Rüstungsunternehmen Helsing, einem Hersteller von militärischer KI und Drohnen. Pistorius will ein Drohnenregiment aufbauen, das der an der Nato-Ostflanke in Litauen stationierten Panzerbrigade 45 zugeordnet werden soll. Die Brigade solle ab kommendem Jahr mit der "loitering munition" ausgestattet werden, bekräftigt Pistorius. Erprobt wird nach Worten des SPD-Politikers derzeit der Gefechtskopf.
Die ukrainische Marine hat bei einem Angriff auf den Militärflugplatz Marinowka in der russischen Oblast Wolgograd zwei russische Su-34-Jagdbomber mit in der Ukraine produzierten Neptun-Raketen zerstört. Die Flugzeuge wurden laut Angaben der Marine auf dem Stützpunkt des 11. Gemischten Luftfahrtregiments Russlands nahe der Ortschaft Oktjabrski getroffen. Die ukrainische Marine betont, dass die Su-34 eine der wichtigsten Plattformen sei, die von der russischen Luftwaffe zum Abschuss von gelenkten Luftbomben gegen ukrainische Städte, Stellungen der Verteidigungskräfte und Frontabschnitte eingesetzt würden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigt die Zerstörung der beiden Su-34-Jets und fügt hinzu, dass ukrainische Streitkräfte auch einen russischen Iskander-Raketenwerfer getroffen hätten.
Der russische Präsident Wladimir Putin warnt vor einer Eskalation in der Ostsee. "Wenn die Dinge zu weit gehen, wird es keine Gewinner geben", sagt er. Russland sei zum Krieg bereit, wolle ihn aber nicht. Er wolle in der Ostsee keine Situation wie in der Straße von Hormus. Putin unterstütze alle Schritte zur Wiederherstellung der Beziehungen zu europäischen Ländern, erklärt er mit Blick auf sein Telefonat mit dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb und dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre. Putins Drohungen richten sich gegen eine europäisch koordinierte Sanktionierung der russischen Schattenflotte.
Ukrainische Streitkräfte haben eine russische Militäreinrichtung angegriffen, von der aus Langstrecken-Kampfdrohnen auf die Ukraine gestartet wurden, teilt der Generalstab der ukrainischen Armee auf Facebook mit. Der nächtliche Angriff habe sich gegen den russischen Drohnenstützpunkt in der Nähe von Naflja in der Oblast Brjansk, etwa 70 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, gerichtet, berichtet der "Kyiv Independent". Nach Angaben des Generalstabs wurden bei den Angriffen ein Lager für russische Langstreckendrohnen vom Typ Geran sowie Treibstoff- und Schmierstofflager und der "Drohnenhafen" selbst beschädigt. Ukrainische Medien und Open-Source-Intelligence-Gruppen (OSINT) haben den Bau mehrerer großer "Flugplätze" durch Russland verfolgt, die für unbemannte Systeme konzipiert und entlang der westlichen Grenzgebiete Russlands errichtet wurden.
Außenminister Johann Wadephul will einem möglichen "Familienfoto" zusammen mit dem russischen Kollegen Sergej Lawrow beim Treffen der G20-Außenminister in den USA nicht fernbleiben. Bei Kongressen wie der Zusammenkunft der großen Industrie- und Schwellenländer am Freitag und Samstag in Atlanta "ist es automatisch so, dass es gemeinsame Fotos gibt. Es ist eben eine zentrale Aufgabe von Außenministern, miteinander zu sprechen", sagt der CDU-Politiker bei einem Auftritt in Panama-Stadt. Das Entscheidende sei nicht das Foto, sondern das, was man miteinander bespreche. "Es gibt keine Normalität zwischen Deutschland und Russland, weil Russland weiterhin die Ukraine angreift, weil Russland weiterhin die Sicherheit Europas gefährdet", sagt Wadephul. Dies werde er auch in Atlanta zum Ausdruck bringen.
In der zentralukrainischen Industriestadt Krementschuk im Gebiet Poltawa sind nach Angaben von Militärverwaltungschef Witalij Djakiwnytsch drei Menschen ums Leben gekommen. Um medizinische Hilfe hätten 19 Menschen gebeten. Elf seien ins Krankenhaus gebracht worden. Eine Drohne sei in einem mehrstöckigen Wohnhaus eingeschlagen, schreibt Djakiwnytsch bei Telegram.
Ein von drei Seedrohnen angegriffenes Handelsschiff ist in der Wirtschaftszone des EU- und Nato-Landes Bulgarien im Schwarzen Meer gesunken. Die bulgarische Schifffahrtsverwaltung bestätigt eine erste Mitteilung der regionalen Verwaltung von Warna am Schwarzen Meer. Es ist bereits das dritte gesunkene Handelsschiff bei insgesamt fünf Angriffen seit Anfang Oktober in der bulgarischen Wirtschaftszone. Vorfälle mit Schiffen gab es auch in der rumänischen Wirtschaftszone. Die 18-Mann-Crew des Containerschiffes "Contship Jet" wurde in Warna in Sicherheit gebracht. Das Schiff war unter liberianischer Flagge aus dem israelischen Hafen Haifa nach Constanta in Rumänien unterwegs. Die Seedrohnen, die das Containerschiff versenkten, seien aus östlicher Richtung gekommen, sagt der Chef von Bulgariens Verteidigung, Emil Eftimow, dem Fernsehsender bTV in Sofia.
Russlands Bereitschaft zu Dreier-Friedensgesprächen mit der Ukraine und den USA hängt nach Angaben des Kremls auch von möglichen ukrainischen Angriffen am russischen Tag der Nationalen Einheit am 4. November ab. Sollte es während öffentlicher Großveranstaltungen zu außergewöhnlich schwerem Beschuss kommen, werde sich dies wahrscheinlich auch in gewisser Weise auf die Stimmung auswirken, sagt der außenpolitische Kreml-Berater Juri Uschakow dem staatlichen Fernsehsender Westi. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hofft eigenen Angaben zufolge auf ein trilaterales Treffen von Unterhändlern in Abu Dhabi zwischen dem 6. und 10. November.
Bei einem russischen Drohnenangriff auf den Bahnhof von Dnipro sind in der Ukraine zahlreiche Menschen getötet worden. Die Drohne schlägt auf einem Bahnsteig ein, an dem zwei Züge stehen. Den Rettungskräften bietet sich ein grauenhaftes Bild.
