Ukraine-Krieg im Liveticker: +++ 13:57 Strack-Zimmermann fordert Taurus-Lieferung +++
Deutsche und ukrainische Firmen haben am Rande des Besuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz in Kiew mehr als ein Dutzend Kooperationsdokumente unterzeichnet. Unter anderem vereinbarte das ukrainische Verteidigungsministerium mit der Firma Diehl die Lieferung von Tausenden Iris-T-Luftabwehrraketen sowie weiteren Abschusseinrichtungen, teilte die ukrainische Regierung mit. Mit der Firma Hensoldt sei ein Vertrag über Satellitentechnik vereinbart worden. Die Firma Quantum soll für das Verteidigungsministerium Abfangdrohnen für die schnellen russischen Jet-Drohnen weiterentwickeln und produzieren. Diese sollen nach Unternehmensangaben in der Ukraine gebaut werden und im Winter 2026/27 zur Verfügung stehen. Das Gesamtvolumen aller Absichtserklärungen bezifferte Präsident Wolodymyr Selenskyj auf 8,5 Milliarden Euro. In deutschen Regierungskreisen war von 6,5 Milliarden Euro die Rede. Kanzler Merz hatte angekündigt, dass die Bundesregierung eine weitere Milliarde Euro an Militärhilfe und 350 Millionen Euro für das durch russische Angriffe beschädigte Energiesystem freigegeben hat.
Der ukrainische Geheimdienst SBU hat nach eigenen Angaben bei einem Drohnenangriff zwei russische Kampfflugzeuge getroffen. Der Darstellung zufolge richtete sich der Angriff gegen den in rund 500 Kilometern Entfernung gelegenen Militärflughafen Tschanskaja, gelegen zwischen Asowschem Meer und der Schwarzmeer-Metropole Sotschi. Getroffen wurden laut SBU ein Mehrzweckjäger vom Typ Suchoi SU-35 und ein Jagdbomber vom Typ Suchoi SU-34 sowie ein Munitionsdepot. Beide Flugzeugtypen werden von Russland unter anderem für den Abwurf von Gleitbomben genutzt, mit denen Russland die Front attackiert, aber auch ganze Städte in Schutt und Asche legt. Das genaue Ausmaß der Schäden an den teuren und modernen Suchoi-Maschinen gab der SBU nicht bekannt.
Die USA planen nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj neue trilaterale Gespräche der Vereinigten Staaten, Russlands und der Ukraine über ein Ende des Ukraine-Krieges. Die von Washington vermittelten Gespräche sollten bis Ende Oktober stattfinden, bestätigte Selenskyj schon kursierende Berichte über eine neue Verhandlungsrunde. Die USA stünden dafür mit der Ukraine und Russland in Kontakt. Selenskyj sagte, er habe am Samstag mit US-Vertretern gesprochen und ihnen bestätigt, "dass unsere Seite bereit ist, diesen Zeitplan zu unterstützen". Es gehe um ein Treffen auf Experten-Ebene, fügte er hinzu. Der ukrainische Präsident machte keine Angaben zum Ort der geplanten Gespräche. Die Ukraine sei allerdings offen für die Vereinigten Arabischen Emirate "oder ein anderes Land, das die US-Seite vorschlägt", sagte Selenskyj.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich bei seinem Besuch in der ukrainischen Hauptstadt unbeirrt in seiner Unterstützung des Landes gezeigt. Er sei "trotz der Drohungen aus Moskau gekommen", sagte Merz bei einer Pressekonferenz zusammen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. "Wir lassen uns auch nicht einschüchtern durch einen Drohnenangriff." Während des Besuchs von Merz gab es mehrfach Luftalarm und eine Drohne schlug auf einer Brücke in Kiew ein. Russland hatte zuvor ausländische Diplomaten und Politiker vor Besuchen in Kiew gewarnt. Der Kanzler betonte: "Ich weiß nicht, ob die Drohung auf meinen Besuch bezogen war - und wenn sie es ist, dann lasse ich mich davon auch nicht beeindrucken." Es habe während seines Besuchs in Kiew drei Mal Drohnenalarm gegeben. Er habe aber nicht in einen Bunker flüchten müssen.
Dmitri Medwedew, Vizechef des russischen nationalen Sicherheitsrates, warnt mit Blick auf Moskaus neuen Satelliten-Internetdienst Rasswet vor einem Krieg im Weltall. Die Forderung der Ukraine, das russische Satellitenkommunikationssystem Rasswet (auf Deutsch: Morgengrauen oder Sonnenaufgang) zu blockieren, könne zu einem großangelegten Krieg im Weltraum führen, teilte Medwedew bei Telegram mit. Er hoffe, dass die Amerikaner das verstünden, weil ansonsten die Satelliten des US-Systems Starlink "wie der Schmuck eines vertrockneten Weihnachtsbaums" herunterfallen könnten. Es gelte, im "sehr engen" Weltraum gegenseitig aufeinander Rücksicht zu nehmen, mahnte Medwedew. Russland hatte im März und im Juli das Rasswet-System in eine Erdumlaufbahn in 800 Kilometern Höhe gebracht. Kremlchef Wladimir Putin behauptete, dass Rasswet dem System Starlink des Tech-Milliardärs Elon Musk, das der ukrainischen Armee im Abwehrkampf gegen Russland wichtige Vorteile verschafft, technisch in nichts nachstehe. Das Satellitennetz für Hochgeschwindigkeitsinternet soll im nächsten Jahr in Betrieb gehen.
Auf seiner Kiew-Reise sagt Bundeskanzler Merz, Russlands Kriegsmaschinerie werde sich früher oder später auch gegen Deutschland richten, wenn Putin nicht gestoppt wird. Sicherheitsexperte Frank Umbach ordnet diese Aussage im Gespräch mit ntv näher ein.

