US-Sanktionen: Warum iranische Airlines weiter in die Türkei fliegen
Umgehung der US-Sanktionen Warum iranische Airlines weiter in die Türkei fliegen Stand: 25.09.2026 • 12:07 Uhr
Neue US-Sanktionen sollen den iranischen Luftverkehr treffen. Flugzeuge aus dem Land sollen weltweit nicht mehr abgefertigt werden. Doch in Istanbul landen weiterhin Jets aus Iran. Die Türkei nutzt offenbar ein Schlupfloch.
Am Montag musste alles ganz schnell gehen für Farnaz. In wenigen Tagen beginnt die junge Iranerin ein Studium in einem EU-Land. Dann hieß es plötzlich aus den USA: Alle iranischen Airlines werden sanktioniert.
Ihre Familie habe ihr geraten, einfach das erste Ticket zu nehmen, das sie bekommen könne, erzählt Farnaz. Selbst wenn sie dann zwei Tage am Flughafen in Istanbul warten müsse. Sonst komme sie vielleicht nicht mehr mit dem Flugzeug aus Iran weg.
So einfach war es dann aber nicht. Die Ticketpreise hatten sich in kürzester Zeit verdoppelt. Wie Farnaz wollen offenbar viele das Land verlassen, solange das noch mit dem Flugzeug möglich ist. Seit Beginn des Krieges gibt es ohnehin nur noch wenige Flugverbindungen.
Letzten Endes habe ihre Familie beim Flughafen angerufen, sagt Farnaz. Dort habe man ihnen gesagt, dass die Flüge starten. Das Gleiche hätten zwei Fluggesellschaften, Iran Air und Iran Airtour, mitgeteilt. "Aber die anderen Airlines wollten uns gar nichts sagen."
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Am Mittwoch konnte Farnaz über Istanbul ausreisen. Eigentlich sollten die neuen US-Sanktionen da bereits in Kraft sein. Aber nach wie vor landen Flugzeuge iranischer Airlines in der Türkei. Die Ankündigung von US-Finanzminister Scott Bessent klang da ganz anders:
"Am 23. September werden alle iranischen Fluggesellschaften weltweit lahmgelegt. Wenn sie landen, darf ihnen kein Treibstoff mehr zur Verfügung gestellt werden, sie dürfen keine Landedienstleistungen erhalten, ihre Tickets dürfen nicht verkauft werden. Andernfalls werden diese Dienstleister vom Dollarsystem ausgeschlossen."
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Abgesehen von Russland und China, engen Partner Irans, sehen sich eine ganze Reihe von Staaten zum Handeln gezwungen: Oman, Georgien und Aserbaidschan haben alle Aktivitäten iranischer Airlines ausgesetzt. Turkmenistan hat sogar seinen Luftraum für ein aus Teheran kommendes Flugzeug gesperrt, die Maschine musste umkehren. Der Vorsitzende des iranischen Sicherheitsrates Mohsen Rezaei droht Ländern, die iranische Airlines nicht mehr landen lassen:
"Sollten Sie sich dem Lager der USA anschließen, werden wir dies nicht unwidersprochen lassen." Genauso wie diese Länder wollten, dass die Flüge in den Iran eingestellt würden, würden auch die Flüge dorthin eingestellt werden, so Rezaei.
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Und die Türkei? Das Land ist Sanktionen gegen Iran auch nicht grundsätzlich abgeneigt. Die halbstaatliche Fluggesellschaft Turkish Airlines und ihre Tochtergesellschaften fliegen schon seit Beginn des Krieges keine iranischen Flughäfen mehr an - mit Inkrafttreten der neuen Sanktionen gibt es nun auch ein offizielles Verbot.
Aber offenbar ist man bereit, Schlupflöcher auszunutzen: Pünktlich am 23. September hat die Firma FUGO die Abfertigung iranischer Flugzeuge übernommen - mit Genehmigung der türkischen Luftfahrtbehörde.
FUGO ist eigenen Angaben zufolge spezialisiert auf schwierige Fälle. Einer der ersten Kunden war die der iranischen Revolutionsgarde zugerechnete und seit Langem sanktionierte Mahan Air. Dazu kommt eine russische Airline, die ebenfalls auf der Sanktionsliste steht. In einem Interview betonen die Firmengründer, man suche gezielt nach solchen Marktnischen.
FUGO ist nicht an der Börse notiert und ausschließlich in der Türkei tätig – also deutlich unabhängiger vom internationalen Zahlungssystem. Die US-Sanktionen würden vermutlich nur geringen Schaden anrichten. Die Regierung in Ankara findet das Risiko im Moment offenbar ebenfalls überschaubar.
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Für Farnaz, die in einigen Monaten zurückreisen will, sind das möglicherweise positive Nachrichten: Sie habe noch nicht versucht, einen Flug zu buchen, sagt Farnaz. Auch weil sie den Airlines kein Geld zahlen wolle, ohne zu wissen, ob sie fliegen. Falls es keine Flüge gebe, würde sie nach Istanbul fliegen und es dann mit dem Bus oder Zug auf dem Landweg versuchen.
Wie lange die Türkei sich dem Druck aus Washington entziehen kann, bleibt abzuwarten. Vorerst können die Iranerinnen und Iraner nur über Istanbul Richtung Westen fliegen.
Dieses Thema im Programm: RBB24 Inforadio | Nachrichten | 25.09.2026 | 09:29 Uhr

