Wahl-Panne in Berlin: Abgeordnetenhaus wird kleiner
Wahl-Panne in Berlin Abgeordnetenhaus wird kleiner Stand: 02.10.2026 • 13:08 Uhr
Eine Neuauszählung in einem Berliner Wahlkreis hat ergeben, dass ein Direktmandat an die AfD und nicht - wie bislang angenommen - an die CDU geht. Das Berliner Abgeordnetenhaus wird daher fünf Sitze weniger haben als bisher gedacht.
Im nächsten Berliner Parlament werden weniger Abgeordnete sitzen als zunächst gedacht. Hintergrund ist ein verändertes Wahlergebnis im Bezirk Spandau, das bei der regulären Überprüfung des vorläufigen Wahlergebnisses aufgefallen ist. Das jetzt festgestellte Ergebnis verschiebt die Sitzverteilung im Parlament. So hat nach neuem Erkenntnisstand im Spandauer Wahlkreis 1 nicht die CDU-Kandidatin Bettina Meißner das Direktmandat gewonnen, sondern der AfD-Kandidat Tommy Tabor. Das bestätigte die Spandauer Bezirkswahlleiterin Katrin Zickert dem rbb am Freitag: "Bettina Meißner war zunächst Erststimmengewinnerin, jetzt liegt sie 35 Stimmen hinter Tommy Tabor." Zuerst hatte der "Tagesspiegel" berichtet.
Nach Zickerts Angaben war das zentrale Kontrolldokument der Wahl, die sogenannte Niederschrift, in einem Urnenwahllokal zwar korrekt, die telefonische Schnellmeldung ans Bezirkswahlamt war allerdings falsch. "Das sind Kleinigkeiten, die passieren können", so die Spandauer Bezirkswahlleiterin.
Der Fehler fiel demnach im regulären Überprüfungsprozess auf, bei dem die Bezirke nach der Wahl das vorläufige Ergebnis kontrollieren. Am Donnerstag fand deshalb eine öffentliche Nachzählung der Erststimmen statt. Laut Zickert passt das neue Ergebnis mit Tabor als Erststimmen-Sieger auch zum Gesamtergebnis im Wahlkreis 1. Denn dort liege die AfD auch bei Zweitstimmen und Stimmen für die Bezirksverordnetenversammlung vorne.
Das geänderte Direktmandat in Spandau hat weitreichende Folgen für die Ausgleichs- und Überhangmandate im Berliner Landesparlament. "Es führt im Ergebnis dazu, dass nicht wie – in der Wahlnacht angenommen – 158 Sitze im Abgeordnetenhaus zu vergeben sind, sondern 153", sagte Landeswahlleiter Stephan Bröchler dem rbb. Damit werden fünf Abgeordnete, die bisher davon ausgingen, im Parlament zu sitzen, es nun doch nicht tun.
Welche Kandidatinnen und Kandidaten nun doch nicht ins Abgeordnetenhaus einziehen, wird nach Bröchlers Angaben aktuell berechnet. Er geht davon aus, dass am Freitagnachmittag Klarheit herrscht. Der Landeswahleiter wies darauf hin, dass Kandidatinnen und Kandidaten erst mit dem endgültigen Wahlergebnis und der konstituierenden Sitzung im Parlament ein Mandat erwerben.
In diesem Zusammenhang übte Bröchler im rbb-Interview Kritik daran, dass einige Fraktionen bereits neue Vorstände gewählt haben. "Ich halte das für kein gutes Verfahren", so Bröchler, die "eine oder andere Fraktion ist hier vorgeprescht". Bei CDU, SPD und AfD haben die neuen Abgeordneten bereits neue Fraktionsführungen gewählt, bei der Linken wurde Spitzenkandidatin Elif Eralp übergangsweise zur Co-Fraktionschefin gemacht.
Was die nun geänderte Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses angeht, betont Bröchler: "Wir erleben kein Wahlchaos, wir sind in einem geordneten, öffentlichen Kontrollprozess." Dass der Fehler in Spandau aufgefallen sei, zeige, dass die Kontrollmechanismen vom vorläufigen zum endgültigen Wahlergebnis funktionierten.
Sendung: rbb|24, 02.10.2026, 11:09 Uhr Audio: rbb|24, 02.10.2026, Sabine Müller


