Warum der Dollar trotz höherer US-Zinsen schwach bleibt

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Die Fed steuert auf die erste Zinserhöhung seit 2023 zu. Doch der Dollar profitiert kaum. Enorme US-Schulden und der Konflikt zwischen Trump und Fed belasten das Vertrauen in die Weltleitwährung. Von Angela Göpfert.

Analyse Trump gegen Fed Der Dollar hat ein Vertrauensproblem Stand: 16.09.2026 • 13:35 Uhr

Die Fed steuert auf die erste Zinserhöhung seit 2023 zu. Doch der Dollar profitiert kaum. Enorme US-Schulden und der Konflikt zwischen Trump und Fed belasten das Vertrauen in die Weltleitwährung.

Eigentlich spricht momentan vieles für einen stärkeren Dollar: Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen sind kräftig gestiegen, die Notenbank steuert auf die erste Zinserhöhung seit über drei Jahren zu - und trotzdem kommt die US-Währung kaum vom Fleck.

Die Finanzmärkte rechnen inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent damit, dass die Fed am Mittwochabend die Zinsspanne um einen Viertelpunkt auf 3,75 bis 4,00 Prozent anheben wird.

Höhere Zinsen machen Anlagen in Dollar attraktiver. Gleichzeitig nehmen jedoch die langfristigen Risiken zu. "Der Dollar wird aktuell von zwei gegenläufigen Kräften beeinflusst", betont Stephan Kemper, Chefanlagestratege bei BNP Paribas Wealth Management, gegenüber der ARD-Finanzredaktion.

"Kurzfristig unterstützen höhere Zinsen die Währung, langfristig sorgen jedoch hohe Staatsschulden, Defizite und auch Fragen zur geldpolitischen Glaubwürdigkeit für Gegenwind." Eine zentrale Rolle spielt dabei der wachsende Konflikt zwischen US-Präsident Donald Trump und der Fed.

Sollte die US-Notenbank wie erwartet die Zinsen anheben, dürfte das Trump gar nicht gefallen. "Trump wird toben", ist Vermögensverwalter Eckhard Schulte von MainSky Asset Management überzeugt. Schließlich setze das Finanzministerium derzeit verstärkt auf kurzlaufende Anleihen.

Deren Renditen hängen stärker am Leitzins als die langlaufender Papiere. Die Folge: Höhere Fed-Zinsen schlagen bei neuen Emissionen und Refinanzierungen besonders schnell auf die Zinskosten des Staates durch.

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Doch nicht nur der fiskalische Druck auf Trump ist hoch: In wenigen Wochen sind Zwischenwahlen - steigende Zinsen kämen für den Republikaner damit zur Unzeit. Trump forderte am Wochenende, die USA müssten die "niedrigsten Zinsen der Welt" haben.

Zu Beginn des Monats hatte der US-Präsident auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social den Druck auf die Fed noch einmal erhöht: "Senkt den Zinssatz, sonst stelle ich den Handel mit Ländern ein, mit denen wir ein Defizit haben." Das Fed-Direktorium müsse unter seiner großartigen neuen Führung endlich vernünftig werden, so Trump.

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Fed-Chef Kevin Warsh steht damit vor einem heiklen Spagat: Die hartnäckig hohe Inflation von zuletzt 3,4 Prozent im August spricht für eine Zinserhöhung, der Präsident verlangt das Gegenteil. Das bereitet die Bühne für eine Konfrontation zwischen Trump und Warsh - nur vier Monate nachdem der vom Präsidenten nominierte Fed-Chef sein Amt übernommen hat.

Mit Warshs Vorgänger Jerome Powell hatte Trump die Geduld verloren, weil dieser die Zinsen aus seiner Sicht nicht schnell genug senkte. Verbale Ausfälle seitens des Republikaners waren die Folge, die Bezeichnung "Dummkopf" für den damaligen Fed-Chef dabei noch eine der harmloseren Beschimpfungen.

Auch für den Dollar ist dieser Konflikt inzwischen mehr als nur politisches Hintergrundrauschen. Anlagestratege Kemper sieht eine wachsende Unsicherheit an den Märkten über die langfristige Geldpolitik. "Hinzu kommen Diskussionen über die Unabhängigkeit der Fed und das belastet das Vertrauen in den Dollar zusätzlich."

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Auch Thu Lan Nguyen, Leiterin Devisen- und Rohstoffanalyse der Commerzbank, hält einen Konflikt zwischen Warsh und Trump nun für "nahezu unausweichlich - und das dürfte auch dem Markt so langsam dämmern".

Ablesbar sei das etwa an steigenden Dollar-Risikoprämien am Optionsmarkt: Absicherungen gegen eine Abwertung des Dollar gegenüber dem Euro haben sich zuletzt spürbar verteuert.

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Und noch etwas ist auffällig: Auch die Renditen amerikanischer Staatsanleihen sind stark gestiegen. Zehnjährige Papiere warfen in dieser Woche über fünf Prozent ab - so viel wie seit 19 Jahren nicht mehr.

Wer die höheren Renditen mitnehmen will, muss dafür Dollar kaufen - früher habe das fast automatisch die US-Währung gestärkt, so Stephan Kemper von BNP Paribas Wealth Management. "Heute fragen Investoren aber zusätzlich, ob höhere Renditen Ausdruck wirtschaftlicher Stärke sind oder ob sie nicht eher höhere Inflations-, Fiskal- oder Glaubwürdigkeitsrisiken widerspiegeln."

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Ein Teil des Renditeanstiegs ist also eher Warnsignal als Zeichen von Stärke. Besonders ins Gewicht fällt die hohe US-Staatsverschuldung, die inzwischen erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten hat.

Anlagestratege Kemper sieht darin den "wichtigsten strukturellen Belastungsfaktor" für den Dollar. Die USA müssten dauerhaft hohe Defizite finanzieren und dafür immer größere Mengen an Staatsanleihen am Markt platzieren.

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Damit hängt für den Dollar inzwischen viel davon ab, warum die Zinsen und Renditen steigen. Höhere Erträge können Kapital in die USA locken. Werden sie jedoch zunehmend als Preis für höhere Schulden-, Inflations- und Politik-Risiken verstanden, verliert dieser Vorteil an Wirkung.

Für Warsh steht am Mittwoch deshalb mehr auf dem Spiel als eine einzelne Zinserhöhung. Die Fed muss nicht nur zeigen, dass sie die Inflation ernst nimmt. Entscheidend ist auch, ob sie glaubhaft vermitteln kann, ihren Kurs langfristig unabhängig vom Weißen Haus zu bestimmen.

Unterm Strich braucht der Dollar damit mehr als höhere Zinsen und Renditen, um wieder zur Stärke zurückzufinden. Er braucht vor allem Vertrauen - in die Fed und in die amerikanische Finanzpolitik.

Dieses Thema im Programm: tagesschau.de | Fed vor Zinserhöhung - der Dollar hat ein Vertrauensproblem | 15.09.2026 | 15:49 Uhr 

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